Partizipation und Beschwerdemanagement bei Jugendhilfe vor Ort

Der geringen Größe unserer Einrichtung entsprechend und angesichts des Alters unserer BewohnerInnen (14 bis 18ff), gehören Versuche der Jugendlichen, ihren Alltag in der Wohngruppe mitzubestimmen, zur Grundlage der angestrebten Verselbstständigung. Hinzu kommt, dass aufgrund des günstigen Betreuerschlüssels in unserer Einrichtung zwischen den Jugendlichen und den BetreuerInnen emotionale Beziehungen entstehen und wachsen können. Dies ermöglicht den Dialog zwischen den Jugendlichen und den BetreuerInnen (Basis des Dialogs ist gewachsenes Vertrauen). Täglich werden zwischen jedem einzelnen Jugendlichen und den BetreuerInnen. Informationen ausgetauscht. Die Jugendlichen lernen darüber mitzusprechen und mit zu entscheiden. Das heißt, sie werden täglich unmittelbar an vielen Entscheidungsprozessen beteiligt und lernen behutsam, Eigenverantwortung und Selbstbestimmung.

Auf der Ebene der Wohngruppen stellt die wöchentliche Gruppenrunde eine fest institutionalisierte Ebene der Einflussnahme dar. Hier werden die Jugendlichen auch gezielt ermuntert, ihre Interessen und Kritiken einfließen zu lassen. Die Erfahrungen in unserer Einrichtung haben gezeigt, dass der Wunsch der Jugendlichen, ihre Umwelt mitzugestalten, unmittelbare Ergebnisse hervorbringen muss. Im Alltag wird dies häufig in spontanen Gruppentreffen durch gemeinsame Situationsanalysen und daraus resultierenden Lösungsansätzen versucht, umzusetzen. Unsere Jugendlichen haben sich einen "Jugendlichen–BetreuerInnen–Rat" gewünscht, der sich regelmäßig trifft, um aktuelle Mitgestaltungswünsche und Kritiken zu unterschiedlichen Themenbereichen zu diskutieren. Dieses Gremium, das alle 14 Tage stattfindet, ist mittlerweile zu einem feststehenden Bestandteil unserer Wohngruppenstruktur geworden.

Als informelle Beteiligungs- und Beschwerdewege stehen als erstes die/der BezugsbetreuerInnen zur Verfügung, da diese im Sinne des jeweiligen Jugendlichen für dessen Interessen eintritt. Jede/jeder andere Betreuerin/Betreuer können ebenfalls Ansprechpartner für Beschwerden sein. Eine weitere feststehende Ebene dafür ist die wöchentliche Teamsitzung, in der die WG -BewohnerInnen Fragen, Anregungen oder Kritik einbringen können. Dies erfolgt, indem sie eine Betreuerin/einen Betreuer beauftragen oder in schriftlicher Form. Nach der Teamsitzung erfolgt eine Rückmeldung am gleichen Tag.

Eine weitere Ansprechstation ist die Einrichtungsleiterin, die allen Jugendlichen bekannt ist und an dem sich die Jugendlichen jederzeit wenden können, wenn sie mit ihrer Betreuungssituation oder mit BetreuerInnen oder MitbewohnerInnen unzufrieden sind. Für dringende Fälle haben alle Betreuten die Telefonnummer der Leiterin.

Jede Beschwerde wird ernst genommen und bearbeitet.